Anderls - Gedicht

Auf das verwirrte widerwärtige aussehen

Catharina Regina von Greiffenberg

MEin GOtt du bist getreu
wie seltsam es auch scheinet.
Wann alles knackt und kracht
wann Blut und muht erliegt
wann selbst das Herz entherzt
kein safft noch Krafft mehr kriegt;
wann alles man verhaust und aus zu seyn vermeinet;
ja wann uns auch gedunkt der Himmel ganz versteinet
daß weder flehn noch bitt ihm etwas mehr ansiegt
hingegen alles sich uns zu betrüben fügt
und sich mit ganzer macht zu unsern Creutz vereinet:
so ist bereit die zeit der gnaden-labung hie
die kan so wunderbald das Leid in Freud verwandlen
die pflegt so lieblich süß die schmerzen zu behandlen
das man nicht wünschen soll das sie gewesen nie.
Da siht man daß GOtt nur recht zu erfreuen kränket.
sein Liebessinn auf nichts als unsre wolfart denket.


Andacht Audiothek* Fotos Gemälde Lyrik Impressum Hilfe
Notepad