Anderls - Gedicht

Wo immer der Tag zwei Menschen erscheint

Konrad von Würzburg

(Übersetzung folgt nach dem Original)

Swâ tac er-schînen sol zwein liuten
die ver-borgen inne liebe stunde müezen tragen,
dâ mac ver-swînen wol ein triuten.
nie der morgen minne-diebe kunde büezen klagen.
er lêret ougen weinen trîben:
sinnen wil er wünne selten borgen.
swer mêret tougen reinen wîben
minnen spil, der künne schelten morgen.

(Übersetzung)

Wo immer der Tag zwei Menschen erscheint,
die verborgen, drinnen, eine angenehme Stunde verbringen sollen:
Da [= mit dem Tag] muss jede Vertrautheit enden.
Noch nie konnte der Morgen einem Minnedieb das Klagen erleichtern.
Er lehrt die Augen, immer zu weinen:
Dem Gemüt schenkt er niemals Freude.
Jeder, der heimlich den besten Frauen mehr vom Spiel der Liebe gibt,
der kann den Morgen schelten.


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